Benjamin Britten zum 100. Geburtstag — Opernschaffen, Werkübersicht und Würdigung
Ein Jahrhundert Benjamin Britten
Am 22. November 2013 waere Benjamin Britten einhundert Jahre alt geworden. Die internationale Musikwelt feierte den bedeutendsten britischen Opernkomponisten des 20. Jahrhunderts mit einem Jubilaeumsjahr, das von November 2012 bis November 2013 andauerte und in seiner Breite beispiellos war. Von Aldeburgh bis Wien, von der Metropolitan Opera bis zur Berliner Staatsoper — ueberall erklangen seine Werke in neuen Produktionen und Sonderkonzerten.
Peter Grimes am Strand von Aldeburgh
Den eindrucksvollsten Hoehepunkt setzte das Aldeburgh Festival im Juni 2013: Brittens Oper Peter Grimes wurde erstmals direkt am Strand von Aldeburgh aufgefuehrt — an jenem Ort, der das Werk inspiriert hatte. Steuart Bedford dirigierte, der Chorus der Opera North und der Guildhall School of Music and Drama sangen gegen Wind und Moewen an. Ein Ereignis, das die enge Verbindung zwischen Brittens Musik und der Landschaft Suffolks auf unvergessliche Weise sichtbar machte.
Ein Werk von erstaunlicher Vielfalt
Die Feiern boten Anlass, Brittens Opernschaffen in seiner ganzen Bandbreite neu zu entdecken. Peter Grimes (1945) bleibt das Meisterwerk des dramatischen Realismus, waehrend Billy Budd (1951) mit seiner reinen Maennerbesetzung zu den kuenstlerisch kuehnsten Experimenten der Nachkriegsoper zaehlt. The Turn of the Screw (1954) uebersetzt Henry James‘ Geistergeschichte in eine Kammeroper von beklemmender Intensitaet. Und Death in Venice (1973), Brittens letzte Oper nach Thomas Manns Novelle, gehoert zu den ergreifendsten Spaetwerken der Gattung.
Vermaechtnis und Gegenwart
Die Royal Mint praegte zum Jubilaeum eine 50-Pence-Muenze — erstmals fuer einen Komponisten in der britischen Geschichte. Was bleibt, ist ein OEuvre, das Oper als lebendige Kunstform begreift: zugaenglich, handwerklich makellos und von einer emotionalen Direktheit, die auch nach hundert Jahren nichts von ihrer Wirkung verloren hat.