Das 24. Kurt-Weill-Fest in Dessau 2016 — Festivalbericht zwischen Mordlust und Hingabe
Zwischen Mordlust und Hingabe
Auch beim 24. Kurt-Weill-Fest in Dessau wird wieder das musikalische Umfeld des Komponisten beleuchtet. Dabei wird der Bogen vom heiter moderierten Konzert bis zur Kurzoper weit gespannt. Schon das Eröffnungskonzert zeugt von der auch diesjaehrigen hohen Qualität des Festivals.
Eröffnungskonzert
Die Deutsche Staatsphilharmonie Rheinland-Pfalz, seit Jahren bewährter Kooperationspartner in Dessau, beginnt den Festabend mit Strawinskys Pulcinella-Suite. Die musikalische Leitung liegt in den Händen der jungen Dirigentin Ariane Matiakh, die in Frankreich zur neuen Dirigentengeneration gezählt wird. Mit transparentem Dirigat arbeitet sie Akzente und Phrasen in großer Gestik heraus.
Im Vergleich zu Strawinsky klingt die folgende Berliner Sinfonie von Kurt Weill durchaus moderner. Heftige Dissonanzen im Forte, neue Perkussions-Elemente wechseln sich ab mit breiten Streicherpassagen. Besondere Eindrücke vermittelt Kreneks Erstes Violinkonzert mit dem Solisten Ernst Kovacic als leidenschaftlichem Artist in Residence.
Kurzopern: Zar und Diktator
Die Zeitgenossen Kurt Weill und Ernst Krenek, beide 1900 geboren, wenden sich frueh der neuen Sachlichkeit zu. Doris Sophia Heinrichsens Inszenierung praesentiert Kreneks Der Diktator und Weills Der Zar laesst sich fotografieren als nüchternes, lakonisches Doppel. Ulf Paulsen ist in der Diktator- und Zarenrolle stimmlich und gewichtig überzeugend besetzt.
Genre-Grenzen gesprengt
Kurt Weill komponierte auch ausserhalb der klassischen Formate und traute sich, Genre-Grenzen zu ignorieren. Es ist erfreulich, dass das Dessauer Festkomitee sich an dieser Vielfalt orientiert und mutig unkonventionell ein Tango-Streich-Trio neben Blaeserklanghimmel und Liederliches ins Programm bringt. Mit rund 60 Veranstaltungen ist der Weg in die Moderne noch keineswegs zu Ende.