Komische Oper Berlin — Zwischen Sanierung und Neuanfang
Komische Oper Berlin — Zwischen Sanierung und Neuanfang
Die Komische Oper Berlin, Deutschlands juengstes der drei grossen Berliner Opernhaeuser, befindet sich seit 2023 in einer umfassenden Sanierung. Das historische Gebaeude an der Behrenstrasse in Berlin-Mitte, dessen Innenraum als einer der schoensten Theatersaele der Nachkriegszeit gilt, wird grundlegend modernisiert. Fuer das Ensemble bedeutet das: Spielen im Exil, kuenstlerisch arbeiten ohne das eigene Haus. Ein Balanceakt, der die Identitaet des Hauses auf die Probe stellt.
Ein Haus mit Geschichte
Die Geschichte der Komischen Oper beginnt 1947, als der oesterreichische Regisseur Walter Felsenstein das Haus im kriegszerstoerten Berlin gruendete. Felsensteins Vision war revolutionaer: Er wollte ein Musiktheater, in dem die szenische Darstellung ebenso ernst genommen wird wie die musikalische. Jede Geste, jeder Blick sollte aus der Musik heraus entwickelt werden. Dieses Prinzip des realistischen Musiktheaters praegte die Komische Oper ueber Jahrzehnte und machte sie zu einem der einflussreichsten Opernhaeuser Europas.
Nach Felsenstein fuehrten Harry Kupfer und Andreas Homoki die Tradition fort. Von 2012 bis 2022 leitete der australische Regisseur Barrie Kosky das Haus und brachte es mit fantasievollen, oft ueberraschenden Inszenierungen zu internationalem Ansehen. Koskys Mischung aus Musiktheater, Revue und radikaler Werkdeutung zog ein juengeres, diverseres Publikum an und fuehrte die Komische Oper mehrfach zum Titel «Opernhaus des Jahres» in der Kritikerumfrage der Fachzeitschrift Opernwelt.
Spielen im Exil
Seit dem Beginn der Sanierung spielt das Ensemble hauptsaechlich im Schillertheater in Charlottenburg — ein Ausweichquartier, das auch die Staatsoper Unter den Linden waehrend ihrer eigenen Sanierung von 2010 bis 2017 nutzte. Zusaetzlich bespielt die Komische Oper weitere Spielstaetten wie das Hangar am Flughafen Tempelhof und verschiedene Saele in der Stadt.
Die kuenstlerische Leitung liegt seit der Spielzeit 2022/23 in den Haenden des Doppelintendanten-Teams Philip Broeking und Susanne Moser. Beide stehen vor der Aufgabe, die kuenstlerische Identitaet des Hauses zu wahren und gleichzeitig den Neuanfang nach der Sanierung vorzubereiten. Broeking, zuvor als Dramaturg und Manager in der freien Szene taetig, und Moser, die langjahrige Erfahrung im Opernmanagement mitbringt, setzen auf Kontinuitaet im Ensemble und auf neue Formate, die den veraenderten Spielbedingungen Rechnung tragen.
Kosten, Zeitplan und die Zukunft
Die Sanierung des Gebaeudes an der Behrenstrasse umfasst die komplette Erneuerung der Buehnen- und Haustechnik, die Verbesserung der Akustik, den barrierefreien Ausbau und die Modernisierung der Werkstaetten. Die urspruenglich veranschlagten Kosten sind — wie bei Berliner Grossprojekten nicht unueblich — deutlich gestiegen. Aktuelle Schaetzungen gehen von Gesamtkosten von ueber 400 Millionen Euro aus. Die Wiedereroeffnung ist fuer die Spielzeit 2026/27 geplant, wobei Verzoegerungen nicht ausgeschlossen werden koennen.
Fuer das Ensemble und das kuenstlerische Personal bedeutet die Phase im Exil eine besondere Herausforderung. Die Komische Oper war stets ein Ensembletheater im besten Sinne — ein Haus, dessen Staerke nicht auf gastierenden Stars, sondern auf einem fest gewachsenen Ensemble beruhte. Diese Identitaet ueber mehrere Jahre der Diaspora zu bewahren, ist die eigentliche Aufgabe.
Wenn die Komische Oper ihr Stammhaus an der Behrenstrasse zurueckerobert, wird es darauf ankommen, Felsensteins Erbe mit den Moeglichkeiten eines grundsanierten Hauses zu verbinden. Die Geschichte dieses Theaters hat gezeigt, dass grosse Kunst auch unter schwierigen Bedingungen entstehen kann. An diesem Anspruch wird sich die Zukunft der Komischen Oper messen lassen muessen.