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Johann Strauss — 200. Geburtstag des Walzerkoenigs 2025

von Albert Blaustein
Wiener Musikverein im Stil eines impressionistischen Gemaeldes

Johann Strauss — 200. Geburtstag des Walzerkoenigs 2025

Am 25. Oktober 1825 wurde Johann Strauss II in Wien geboren. Im Jahr 2025 feiert die Musikwelt den 200. Geburtstag eines Kuenstlers, der wie kein Zweiter die Wiener Unterhaltungsmusik des 19. Jahrhunderts praegte — und der mit seinen Operetten einen eigenen Beitrag zur Geschichte des Musiktheaters leistete. Dass dieser Beitrag bis heute im Spannungsfeld zwischen sogenannter ernster und leichter Musik verortet wird, macht die Auseinandersetzung mit Strauss besonders reizvoll.

Vom Walzer zur Buehne

Strauss‘ Weg zur Operette war keineswegs vorgezeichnet. Seinen Weltruhm hatte er als Komponist und Dirigent von Tanzmusik erworben — der Walzer An der schoenen blauen Donau (1867) wurde zur inoffiziellen Hymne Wiens. Doch die Buehne lockte ihn, nicht zuletzt auf Draengen des Librettisten und Kritikers Maximilian Steiner und seiner ersten Ehefrau Jetty Treffz.

Das Ergebnis war Die Fledermaus (1874), ein Werk, das die Grenzen der Operette sprengte und bis heute zum festen Repertoire auch der grossen Opernhaeuser gehoert. Mit ihrer Verbindung aus Walzer-Seligkeit, Verwechslungskomoedie und subtiler Gesellschaftssatire ist die Fledermaus weit mehr als eine harmlose Unterhaltung. Nicht ohne Grund hat die Wiener Staatsoper sie als festen Bestandteil im Programm — und zwar nicht am Rande, sondern als Silvesterpremiere.

Operette und Oper — eine schwierige Grenzziehung

Die Frage, ob die Operette ein eigenes Genre oder eine kleinere Schwester der Oper sei, durchzieht die Musikgeschichte des 19. und 20. Jahrhunderts. Strauss selbst rang mit dieser Hierarchie. Mit Der Zigeunerbaron (1885) strebte er bewusst in Richtung einer komischen Oper — das Werk besitzt ausgedehnte Ensembles, durchkomponierte Szenen und eine ernsthafte dramatische Grundierung, die weit ueber das typische Operetten-Format hinausgeht.

Wiener Blut, postum 1899 aus bestehenden Strauss-Melodien kompiliert und vom Arrangeur Adolf Mueller junior instrumentiert, wurde zum Inbegriff der nostalgischen Wien-Operette. Das Stueck lebt gaenzlich von der melodischen Substanz seines Schoepfers und zeigt, wie unverwuestlich Strauss‘ musikalische Erfindungskraft war.

Wien feiert — und die Welt feiert mit

Die Stadt Wien hat das Jubilaeum 2025 zum Anlass fuer ein umfangreiches Festprogramm genommen. Die Wiener Philharmoniker eroeffneten das Strauss-Jahr traditionsgemaess mit dem Neujahrskonzert, das 2025 ganz im Zeichen des Jubilars stand. Die Wiener Staatsoper und die Volksoper zeigen Neuproduktionen, das Johann-Strauss-Museum in der Praterstrasse praesentiert eine Sonderausstellung.

Auch international ist das Interesse gross. Von der Semperoper Dresden ueber die Bayerische Staatsoper bis zur New Yorker Carnegie Hall — ueberall finden Strauss-Schwerpunkte statt. Es ist ein Zeichen fuer die Zeitlosigkeit dieser Musik, dass sie weit ueber den Wiener Ballsaal hinaus ihre Wirkung entfaltet.

Johann Strauss II war kein Revolutionaer der Musikgeschichte. Aber er war ein Melodiker von aussergewoehnlicher Begabung, ein Orchestrierer von raffiniertem Klangsinn und ein Theatermann, der sein Publikum kannte. Dass seine Fledermaus auch nach 150 Jahren noch Opernhaeuser fuellt, spricht fuer sich. Wie das in der Praxis aussieht, zeigt unsere Rezension der Fledermaus an der Rheinoper Duesseldorf.