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Rüdiger Safranski: Wagner-Biografie — Buchrezension und Leseempfehlung

von Albert Blaustein
Safranski Wagner-Biografie — Buchrezension

Wagner denken — Jens Malte Fischers grosse Wirkungsgeschichte

Zum 200. Geburtstag Richard Wagners im Jahr 2013 erschienen Dutzende Neuerscheinungen. Jens Malte Fischer waehlt in Richard Wagner und seine Wirkung (Zsolnay bei Hanser, 2013) einen anderen Weg: Er fragt nicht nur, wer Wagner war, sondern was Wagner ausgeloest hat — in der Musik, in der Politik, in der Kulturgeschichte.

Ein philosophischer Zugriff

Fischer, Literaturwissenschaftler an der Ludwig-Maximilians-Universitaet Muenchen, verfolgt die Wirkungslinien des Bayreuther Meisters ueber anderthalb Jahrhunderte. Er zeigt, wie Wagner das Verhaeltnis von Kunst und Religion neu bestimmte, wie der Gedanke des Gesamtkunstwerks weit ueber die Musik hinaus fortwirkte. Besonders gelungen sind die Kapitel ueber Wagners Antisemitismus, die Fischer weder relativiert noch isoliert.

Stil und Urteil

Was das Buch ueber die akademische Pflichtlektuere hinaushebt, ist Fischers Sprache: klar, pointiert, frei von Jargon. Die Inszenierungsgeschichte von Bayreuth wird ebenso kritisch beleuchtet wie der Wagner-Kult, der sich um das Festspielhaus gelegt hat.

Fazit

Wer eine klassische Biografie sucht, ist mit Martin Gregor-Dellins Standardwerk besser bedient. Wer aber verstehen will, warum Wagner bis heute provoziert, fasziniert und polarisiert, findet in Fischers Wirkungsgeschichte eine der kluegsten Neuerscheinungen des Wagner-Jahres 2013.

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