Hintergrund

Weber-Jahr 2026 — 200. Todestag des romantischen Pioniers

von Albert Blaustein
Dunkler romantischer Wald bei Daemmerung im Stil eines Oelgemaeldes

Weber-Jahr 2026 — 200. Todestag des romantischen Pioniers

Am 5. Juni 1826 starb Carl Maria von Weber in London, nur wenige Wochen nach der Urauffuehrung seiner letzten Oper Oberon. Er wurde nur 39 Jahre alt. In seinem kurzen Leben hatte er nichts Geringeres vollbracht, als die deutsche romantische Oper zu begruenden. Im Jahr 2026 jaehrt sich sein Todestag zum 200. Mal — Anlass genug, einen Komponisten wiederzuentdecken, dessen Einfluss auf die Operngeschichte kaum zu ueberschaetzen ist.

Der Freischuetz — Geburtsstunde der deutschen romantischen Oper

Als am 18. Juni 1821 im Koeniglichen Schauspielhaus zu Berlin der Vorhang zu Webers Freischuetz fiel, war das mehr als eine gelungene Premiere. Es war ein kulturelles Ereignis von historischer Tragweite. Zum ersten Mal stand eine Oper auf der Buehne, die den deutschen Wald, die Volkssage, das Daemonische und das Volksliedhafte zu einer organischen Einheit verschmolz. Die Wolfsschluchtszene mit ihrer orchestralen Kuehheit wurde zum Urbild romantischer Schauermusik.

Der Erfolg war ueberwaetigend. Innerhalb weniger Jahre eroberte Der Freischuetz die Buehnen ganz Europas. Das Werk traf den Nerv einer Generation, die nach den napoleonischen Kriegen eine eigene nationale Identitaet suchte — auch und gerade im Musiktheater. Wer sich eingehender mit diesem Schluesselwerk befassen moechte, findet in unserem Freischuetz im Opernfuehrer eine ausfuehrliche Werkbeschreibung.

Euryanthe und Oberon — der schwierige Weg nach dem Triumph

Webers zweite grosse Oper, Euryanthe (Wien, 1823), ging einen radikalen Schritt weiter. Sie verzichtete gaenzlich auf gesprochene Dialoge und strebte eine durchkomponierte Form an, die spaeter Wagner als Vorbild dienen sollte. Musikalisch enthaelt Euryanthe einige der kuehnsten Passagen, die Weber je schrieb — die chromatisch irrlichternde Eglantine-Musik nahm Wagners Ortrud vorweg. Doch das schwache Libretto von Helmina von Chezy verhinderte einen dauerhaften Buehnenerfolg.

Mit Oberon (London, 1826) kehrte Weber zur Nummernoper zurueck, nun auf ein englischsprachiges Libretto von James Robinson Planche nach Christoph Martin Wielands Versgedicht. Die Ouvertuere gehoert bis heute zu den meistgespielten Orchesterstuecken der Romantik. Doch Weber erlebte den Triumph nur noch wenige Wochen — die Tuberkulose, die ihn seit Jahren begleitete, forderte am 5. Juni 1826 ihren Tribut.

Webers Erbe und die Gedenkfeiern 2026

Webers Bedeutung fuer die Operngeschichte geht weit ueber seine eigenen Werke hinaus. Richard Wagner, der sich zeitlebens auf Weber berief, nannte den Freischuetz den Ausgangspunkt seiner eigenen kuenstlerischen Bestrebungen. Die Idee einer genuin deutschen Oper, die Natur, Sage und Volksseele im Orchester zum Klingen bringt, geht direkt auf Weber zurueck. Ohne den Freischuetz waere Wagners Fliegender Hollaender kaum denkbar gewesen.

Fuer das Gedenkjahr 2026 sind an zahlreichen Buehnen Neuproduktionen angekuendigt. Webers Geburtsstadt Eutin in Schleswig-Holstein — wo seit 1951 die Eutiner Festspiele stattfinden — plant einen Schwerpunkt auf sein Gesamtschaffen. Die Semperoper Dresden, wo Weber von 1817 bis 1826 als Kapellmeister die deutsche Opernabteilung aufbaute, wird sein Andenken mit einer Freischuetz-Neuinszenierung ehren.

Carl Maria von Weber hat der Oper eine Stimme gegeben, die zuvor nicht existierte — die Stimme der deutschen Romantik. Zweihundert Jahre nach seinem Tod ist es an der Zeit, diese Stimme neu zu hoeren.