Giacomo Meyerbeer

Die Hugenotten von Giacomo Meyerbeer — Handlung, Musik und Geschichte der Grand Opéra

Die Hugenotten — Meyerbeers Grand Opéra

Werkdaten

KomponistGiacomo Meyerbeer
LibrettistEugène Scribe und Emile Deschamps
GattungGrand Opera
Akte5
SpracheFranzösisch
Uraufführung29. Februar 1836, Opéra Paris
Dauerca. 4 Stunden 30 Minuten

Die Hugenotten — Meyerbeers Grand Opéra im Überblick

Giacomo Meyerbeers Les Huguenots (Die Hugenotten) gilt als das Hauptwerk der französischen Grand Opéra und war im 19. Jahrhundert eine der meistgespielten Opern überhaupt. Das 1836 uraufgeführte Werk über den Religionskonflikt zwischen Katholiken und Protestanten im Frankreich des 16. Jahrhunderts ist ein monumentales Musikdrama von fünf Akten, das höchste Anforderungen an Sänger, Orchester und Bühnentechnik stellt.

Entstehungsgeschichte

Meyerbeer, ein in Berlin geborener, in Italien und Paris wirkender Komponist, hatte mit Robert le diable (1831) bereits einen triumphalen Erfolg an der Pariser Opéra gefeiert. Für sein nächstes Werk wählte er einen historischen Stoff von höchster Brisanz: die Bartholomäusnacht vom 24. August 1572, in der Tausende französischer Protestanten (Hugenotten) auf Befehl der katholischen Königin Katharina von Medici ermordet wurden. Das Libretto von Eugène Scribe und Émile Deschamps verbindet die historischen Ereignisse mit einer fiktiven Liebesgeschichte. Die Uraufführung am 29. Februar 1836 an der Pariser Opéra wurde zum größten Opernerfolg des Jahrhunderts.

Handlung

Erster und Zweiter Akt

Der protestantische Edelmann Raoul de Nangis wird vom katholischen Grafen Nevers zu einem Festmahl eingeladen, bei dem Katholiken und Protestanten sich versöhnen sollen. Raoul verliebt sich in Valentine, die Tochter des katholischen Anführers Saint-Bris — ohne zu wissen, wer sie ist. Als er erfährt, dass sie im Hause des Grafen Nevers gesehen wurde, glaubt er sie untreu und weist sie zurück.

Dritter und Vierter Akt

Königin Marguerite de Valois versucht, durch eine Heirat zwischen Raoul und Valentine die verfeindeten Parteien zu versöhnen. Doch Raoul, der Valentine für treulos hält, weist die Verbindung zurück — ein Affront, der zum offenen Konflikt zwischen den Religionsgruppen führt. Valentine, die inzwischen mit Nevers verheiratet wurde, warnt Raoul vor dem geplanten Massaker. In einem dramatischen Duett gestehen sich beide ihre Liebe.

Fünfter Akt

Die Bartholomäusnacht bricht an. Raoul, der zum Protestantismus zurückgekehrt ist, wird zusammen mit Valentine und seinem Diener Marcel von katholischen Soldaten erschossen. Saint-Bris erkennt zu spät, dass er seine eigene Tochter hat töten lassen.

Musik

Meyerbeers Partitur ist ein Kompendium der romantischen Opernkunst. Der lutherische Choral „Ein feste Burg ist unser Gott“ durchzieht das Werk als Leitmotiv der Hugenotten. Das große Duett Raoul-Valentine im vierten Akt gehört zu den dramatischsten Szenen der Opernliteratur und stellt an beide Stimmen extreme Anforderungen. Die Segensszene der Schwerter im vierten Akt, in der die Katholiken zum Massaker aufgerufen werden, ist von einer theatralischen Wucht, die bis heute erschreckt.

Die Orchestration ist für ihre Zeit ungewöhnlich raffiniert: Meyerbeer setzt Instrumente wie die Viola d’amore und die Bassklarinette ein und erzeugt orchestrale Farben von großer Vielfalt. Die Ballettmusiken, die Chorscenen und die großen Ensembles machen Die Hugenotten zu einem Gesamtkunstwerk avant la lettre.

Wirkungsgeschichte

Die Oper erreichte an der Pariser Opéra über 1.100 Aufführungen und war bis zum Ende des 19. Jahrhunderts ein Kassenschlager. Wagner, der Meyerbeer zunächst bewunderte und später erbittert bekämpfte, verdankt der Grand Opéra mehr, als er zugeben wollte. Im 20. Jahrhundert verschwanden Die Hugenotten weitgehend von den Spielplänen — die enormen sängerischen und technischen Anforderungen machen Aufführungen zu logistischen Großereignissen. Neuere Produktionen in Berlin, Brüssel und Genf zeigen jedoch, dass das Werk seine dramatische Kraft unverändert besitzt.