Orpheus und Eurydike von Christoph Willibald Gluck — Handlung und Bedeutung der Reformoper
Werkdaten
| Komponist | Christoph Willibald Gluck |
|---|---|
| Librettist | Ranieri de Calzabigi |
| Gattung | Azione teatrale |
| Akte | 3 |
| Sprache | Italienisch (Wiener Fassung), Französisch (Pariser Fassung) |
| Uraufführung | 5. Oktober 1762, Burgtheater Wien |
| Dauer | ca. 1 Stunde 30 Minuten |
Orpheus und Eurydike — Glucks Reformoper als Meilenstein
Christoph Willibald Glucks Orfeo ed Euridice markiert einen Wendepunkt in der Operngeschichte. Mit diesem 1762 uraufgeführten Werk leitete Gluck eine Reform ein, die das Musiktheater von den Konventionen der barocken Opera seria befreite und den Weg für die dramatische Wahrheit auf der Opernbühne ebnete.
Entstehungsgeschichte
Gluck und sein Librettist Ranieri de‘ Calzabigi teilten die Überzeugung, dass die Oper zu einem reinen Sängervehikel degeneriert sei und dass die Musik wieder in den Dienst der dramatischen Handlung gestellt werden müsse. Mit Orfeo ed Euridice setzten sie diese Idee erstmals konsequent um. Die Uraufführung fand am 5. Oktober 1762 am Wiener Burgtheater statt. Die Titelrolle wurde vom berühmten Kastraten Gaetano Guadagni gesungen. 1774 überarbeitete Gluck das Werk für Paris, wobei er die Titelrolle für einen hohen Tenor umschrieb und französische Balletteinlagen hinzufügte.
Handlung
Erster Akt
Am Grab der Eurydike trauert Orpheus um seine verstorbene Geliebte. Sein Schmerz ist so groß, dass Amor erscheint und ihm mitteilt, die Götter hätten Mitleid: Orpheus darf in die Unterwelt hinabsteigen, um Eurydike zurückzuholen. Eine Bedingung jedoch wird gestellt: Er darf sich auf dem Rückweg nicht nach ihr umwenden und ihr den Grund dafür nicht nennen.
Zweiter Akt
Orpheus steigt in die Unterwelt hinab. Am Eingang zum Hades besänftigt er mit seinem Gesang die Furien, die ihm schließlich den Weg freigeben. In den Gefilden der Seligen findet er Eurydike und führt sie an der Hand zurück ins Leben.
Dritter Akt
Auf dem Rückweg fleht Eurydike Orpheus an, sie anzusehen. Sie versteht sein Verhalten nicht und glaubt, er liebe sie nicht mehr. Orpheus kann nicht widerstehen und wendet sich um — Eurydike stirbt erneut. In seiner Verzweiflung will Orpheus sich selbst töten, doch Amor greift ein und erweckt Eurydike zum zweiten Mal zum Leben. Das Werk endet mit einem Fest zu Ehren der Liebe.
Musik
Glucks Partitur besticht durch ihre dramatische Ökonomie und emotionale Direktheit. Die berühmteste Nummer ist die Arie „Che farò senza Euridice“ — ein Gesang von schlichter Schönheit, der die Verzweiflung des Orpheus in einer einzigen Melodie zusammenfasst. Nicht weniger eindrucksvoll sind die Chorszenen der Furien und der seligen Geister, die in ihrer klanglichen Geschlossenheit weit über das hinausgehen, was in der zeitgenössischen Oper üblich war.
Der „Reigen seliger Geister“ mit seiner berühmten Flötenmelodie gehört zu den bekanntesten Orchesterstücken der Musikgeschichte. Die Ballettmusiken, besonders in der Pariser Fassung, zeigen Glucks Fähigkeit, Tanz und Drama organisch zu verbinden. Die Abkehr von der Da-capo-Arie zugunsten durchkomponierter Szenen war revolutionär und wies den Weg in die Zukunft des Musiktheaters.
Wirkungsgeschichte
Die Opernreform Glucks beeinflusste Mozart, Beethoven und Wagner gleichermaßen. Berlioz arrangierte 1859 eine Mischfassung, die Elemente beider Versionen vereint und die Titelrolle für eine Mezzosopranistin einrichtet — diese Fassung wird bis heute häufig gespielt. Orfeo ed Euridice gehört zu den ältesten Opern, die ununterbrochen im Repertoire geblieben sind, und bildet einen natürlichen Ausgangspunkt für jeden Opernführer.