Engelbert Humperdinck

Hänsel und Gretel von Engelbert Humperdinck — Handlung, Musik und Werkgeschichte der Märchenoper

Hänsel und Gretel — Szene aus Humperdincks Märchenoper

Werkdaten

KomponistEngelbert Humperdinck
LibrettistAdelheid Wette
GattungMärchenoper
Akte3
SpracheDeutsch
Uraufführung23. Dezember 1893, Hoftheater Weimar
Dauerca. 1 Stunde 45 Minuten

Hänsel und Gretel — Humperdincks Märchenoper

Engelbert Humperdincks Hänsel und Gretel gehört zu den meistgespielten und beliebtesten Opern des deutschen Repertoires. Das 1893 uraufgeführte Werk verbindet die Schlichtheit eines Kindermärchens mit einer orchestralen Opulenz, die Richard Wagner alle Ehre macht. Kaum eine andere Oper hat den Sprung vom Bühnenwerk zum festen Bestandteil der Weihnachtstradition so vollkommen vollzogen.

Entstehungsgeschichte

Die Oper verdankt ihre Entstehung einem Familienunternehmen: Humperdincks Schwester Adelheid Wette schrieb 1890 für eine haeusliche Aufführung Lieder auf Texte aus dem Märchen der Brueder Grimm. Sie bat ihren Bruder, die Melodien zu vertonen. Aus den schlichten Kinderliedern wurde zunächst ein Singspiel, dann eine abendfuellende Oper. Die Uraufführung am 23. Dezember 1893 am Hoftheater Weimar unter der Leitung von Richard Strauss war ein durchschlagender Erfolg.

Handlung

Erstes Bild: Daheim

Die Geschwister Hänsel und Gretel müssen zu Hause arbeiten, während die Eltern unterwegs sind. Hänsel beklagt den Hunger, und die Kinder beginnen statt zu arbeiten zu spielen und zu tanzen. Als die Mutter heimkehrt und die Unordnung sieht, schickt sie die Kinder zum Erdbeerensammeln in den Wald. Der Vater kehrt froehlich und mit vollen Taschen von seinem Besenbindergang zurück. Als er erfährt, dass die Kinder im Wald sind, erschrickt er — denn dort haust die böse Knusperhexe.

Zweites Bild: Im Wald

Im Wald sammeln die Kinder Erdbeeren, essen sie aber auf und verirren sich. Im daemmernden Wald bekommen sie Angst. Das Sandmännchen kommt und streuet ihnen Sand in die Augen. Bevor sie einschlafen, sprechen sie ihr Abendgebet. Im Traum steigen vierzehn Engel herab und schützen die Kinder.

Drittes Bild: Das Knusperhaus

Am Morgen weckt das Taumännchen die Kinder. Sie entdecken das Knusperhaus der Hexe und beginnen davon zu naschen. Die Hexe lockt sie hinein, sperrt Hänsel in einen Käfig und will ihn maesten. Gretel gelingt es jedoch, den Zauberspruch der Hexe zu erlernen. Als die Hexe den Backofen pruefen will, stossen die Kinder sie hinein. Die verzauberten Lebkuchenkinder werden befreit, und die Eltern treffen ein, um ihre Kinder glücklich in die Arme zu schließen.

Musik

Humperdincks Partitur ist ein Meisterwerk der Synthese. Die Volkslieder und Kindermelodien (Suse, liebe Suse, Bruederchen, komm tanz mit mir) sind in einen wagnerianischen Orchestersatz eingebettet, der mit Leitmotiven, chromatischer Harmonik und opulenter Instrumentation arbeitet. Das Abendgebet und der Engelstraum im zweiten Bild gehören zu den schönsten Seiten der Opernliteratur. Die Orchesterzwischenspiele — insbesondere die Hexenritt-Pantomime — zeugen von großer symphonischer Meisterschaft.

Beruehmte Arien und Szenen

  • Suse, liebe Suse — Gretel (Sopran): Volkslied im ersten Bild
  • Bruederchen, komm tanz mit mir — Hänsel und Gretel: Tanz-Duett
  • Ein Männlein steht im Walde — Gretel: Bekanntes Volkslied
  • Abends will ich schlafen gehn — Abendgebet: Einer der ruehrendsten Momente der Oper
  • Hokuspokus Hexenschuss — Hexe: Grotesker Zauberspruch

Inszenierungsgeschichte

Die Oper wurde seit ihrer Uraufführung ununterbrochen gespielt und gehört zum Standardrepertoire jedes deutschsprachigen Opernhauses. Traditionell wird sie zur Weihnachtszeit aufgeführt. Bedeutende Inszenierungen stammen von August Everding (München), Achim Freyer (Berlin) und Richard Jones (Welsh National Opera). Die Frage, ob das Werk eher als Kinderoper oder als vollgültiges Bühnenwerk zu behandeln ist, prägte die Inszenierungsgeschichte massgeblich.