Georg Friedrich Händel

Alcina von Georg Friedrich Händel — Handlung, Arien und Werkgeschichte der Zauberoper

Alcina — Händels Zauberoper auf der Opernbühne

Werkdaten

KomponistGeorg Friedrich Händel
LibrettistAntonio Fanzaglia nach Ariosts Orlando furioso
GattungOpera seria
Akte3
SpracheItalienisch
Uraufführung16. April 1735, Covent Garden, London
Dauerca. 3 Stunden

Alcina — Händels Zauberoper zwischen Liebe und Illusion

Georg Friedrich Händels Alcina gehört zu den eindrucksvollsten Opern des Barockzeitalters. Das 1735 uraufgeführte Dramma per musica erzählt die Geschichte einer Zauberin, die Männer mit magischen Kräften an sich bindet — und die am Ende an der Macht der wahren Liebe scheitert. Die Partitur zählt zu Händels reichsten und emotional tiefsten Werken.

Entstehungsgeschichte

Händel komponierte Alcina für das Covent Garden Theatre in London, wo er seit 1734 mit seiner eigenen Opernkompanie in Konkurrenz zur „Opera of the Nobility“ stand. Das Libretto, anonym verfasst, basiert auf dem Versepos Orlando furioso von Ludovico Ariost — demselben Stoff, den Händel bereits für Orlando (1733) und Ariodante (1735) verwendet hatte. Die Uraufführung am 16. April 1735 mit der berühmten Sopranistin Anna Maria Strada del Pò in der Titelrolle und dem Kastraten Giovanni Carestini als Ruggiero war ein großer Erfolg.

Handlung

Erster Akt

Die Zauberin Alcina herrscht über eine Zauberinsel, auf der sie Ritter in ihren Bann zieht, sie eine Zeitlang liebt und dann in Steine, Bäume oder Tiere verwandelt. Ihr neuestes Opfer ist der Ritter Ruggiero, der seine Verlobte Bradamante vergessen hat. Bradamante kommt, als Mann verkleidet, auf die Insel, um Ruggiero zu befreien. Alcinas Schwester Morgana verliebt sich in die verkleidete Bradamante.

Zweiter Akt

Bradamante gibt sich Ruggiero zu erkennen. Ein magischer Ring bricht Alcinas Zauber, und Ruggiero sieht die Insel, wie sie wirklich ist — eine öde Wüste. Er beschließt zu fliehen. Alcina, die Ruggiero aufrichtig liebt, versucht verzweifelt, ihn mit Zauberkräften zurückzuhalten, doch ihre Magie versagt.

Dritter Akt

Ruggiero und Bradamante zerstören die Zauberkräfte Alcinas, indem sie ihre magische Urne zerbrechen. Alle verzauberten Ritter erhalten ihre menschliche Gestalt zurück. Alcina verliert ihre Macht und ihre Insel löst sich auf. Ruggiero und Bradamante sind vereint.

Musik

Die Partitur der Alcina enthält einige der schönsten Arien, die Händel je komponiert hat. Alcinas Arie „Ah! mio cor!“ im zweiten Akt ist ein ergreifender Ausdruck der Verzweiflung — eine der großen Mezzosopran-Arien des Barockrepertoires. Ruggieros Arie „Verdi prati“ verbindet schlichte melodische Schönheit mit einer Melancholie, die das Ende der Illusion vorwegnimmt. Die Ballettmusiken, die Händel für die berühmte Tänzerin Marie Sallé schrieb, gehören zu den reizvollsten Tanzstücken des 18. Jahrhunderts.

Händels Orchesterbehandlung ist von großer Raffinesse: Die Verwendung von Oboen und Hörnern für die Jagdszenen, die zarten Streicherklänge für die Liebesszenen und die dramatischen Orchestereffekte bei der Zerstörung der Zauberinsel zeigen einen Meister der Klangmalerei.

Wirkungsgeschichte

Alcina verschwand nach Händels Tod für über zweihundert Jahre von den Bühnen und wurde erst im 20. Jahrhundert wiederentdeckt. Joan Sutherlands Interpretation der Titelrolle 1960 in Venedig leitete eine Renaissance ein, und heute gehört das Werk zum Standardrepertoire der Barockspezialistinnen. Sängerinnen wie Renée Fleming, Anja Harteros und Joyce DiDonato haben die Rolle der Alcina geprägt.

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