Aida bei den Schlossfestspielen Schwerin — Verdis Meisterwerk unter freiem Himmel, Rezension 2016

Spielstaette Mecklenburgisches Staatstheater Schwerin
von Albert Blaustein
Aida bei den Schlossfestspielen Schwerin — Verdi Open Air

Die Weite Ägyptens

Endlich! Regen über Aegypten, seit langem erwartet! — Von wegen: Bis eine halbe Stunde vor Premierenbeginn lassen immer wieder dicke Regenschauer Festspielplaner, Mitwirkende und Zuschauer bangen. Doch die Zuschauer sind bestens vorbereitet und geruestet, als seien sie auf dem Weg in einen Campingurlaub, bis hin zur Thermosflasche mit heissem Kaffee.

Bühne und Inszenierung

Zwei große, stilisierte Dreiecke im Alten Garten deuten den Fuss einer Pyramide an, eine Saeulenreihe führt in das im Hintergrund liegende Palastgebaeude. Romaine Fauchere nutzt geschickt die klassizistische Silhouette des Staatlichen Museums, um die königlichen Gemaecher anzudeuten. Der Platz vor der Pyramide bietet hervorragenden Raum für die großen Auftritte, einschliesslich des berühmten Triumphmarsches mit lebender Elefantendame Mala und zwei Kamelen.

Die Stimmen

Steffen Schantz überzeugt als liebender Radames ebenso wie als kaempferischer Armeeführer. Yannick-Muriel Noah spielt die Aida mit großer Intensität und Emotion. Ihr nuancenreicher Sopran gibt der Aida beruehrende Verzweiflungsszenen ebenso wie verhaltene Liebesschwuere. Aurore Ugolin steht als Amneris mit kühlem Mezzosopran gegenüber. Ziayn Atfeh stellt den Priester Ramphis mit voluminoesem Bass dar.

Orchester und Gesamteindruck

Gregor Rot und die Mecklenburgische Staatskapelle Schwerin müssen sich zwar unter die Bühne zurückziehen, doch eine ausgefeilte elektronische Technik sorgt selbst unter den widrigen Bedingungen einer Open-Air-Aufführung für überraschend gute Klangqualität.

Was macht Freiluft-Aufführungen so anziehend? Es ist die unmittelbare Nähe zur Natur und ihren Elementen. Auch die Aida-Aufführung im Schlossgarten von Schwerin profitiert davon: Fast unmerklich stellt sich ein Gefühl ein, aus der alltaeglichen Umgebung entrückt zu sein. Ein begeistertes Publikum nimmt sich viel Zeit für einen vehementen Schlussapplaus.

Weiterlesen: Verdis Falstaff im Opernfuehrer

Gattung: Oper
Komponist: Giuseppe Verdi