Macbeth an der Oper Leipzig — Verdis Shakespeare-Oper in der Opernkritik
Verdis Schottendrama an der Oper Leipzig
Verdis Macbeth ist die erste große Shakespeare-Oper des Komponisten und zugleich eine der düstersten. Die Oper Leipzig hat sich in einer Neuinszenierung von Peter Konwitschny dieses Werks angenommen, das zwischen Verbrechen und Wahnsinn, Machtgier und Selbstzerstörung pendelt — und dabei einen Abend geschaffen, der in seiner Kompromisslosigkeit beeindruckt.
Die Inszenierung
Konwitschny verlegt die Handlung in eine zeitlose Diktatur, in der die Hexen zu Medienstrategen werden und Macbeths Thronbesteigung als Putsch inszeniert wird. Lady Macbeth ist hier keine bloße Anstifterin, sondern die eigentliche treibende Kraft — eine Frau, die für ihren Ehrgeiz über Leichen geht und am Ende an ihrer eigenen Schuld zerbricht. Die Schlafwandlerszene wird zum erschütternden Zusammenbruch einer Persönlichkeit.
Die Stimmen
Thomas Hampson als Macbeth bringt seinen edlen, dunkel timbierten Bariton und jahrzehntelange Bühnenerfahrung ein. Seine Darstellung des Titelhelden schwankt überzeugend zwischen brutalem Machtwillen und existenzieller Angst. Susan Neves als Lady Macbeth setzt ihren dramatischen Sopran als Waffe ein — schneidend in den Fluchszenen, gebrochen in der Schlafwandlerszene. Ihr „Vieni! t’affretta“ ist von einer wilden Energie, die den Zuschauer in den Sitz drückt.
Stefan Vinke als Macduff überzeugt mit einem strahlkräftigen Tenor, dessen Rachearie „Ah, la paterna mano“ zu den stimmlichen Höhepunkten des Abends zählt. Jongmin Park als Banquo verleiht dem Getöteten mit seinem profunden Bass eine Würde, die noch als Geist nachwirkt.
Dirigat und Orchester
Ulf Schirmer am Pult des Gewandhausorchesters zeigt erneut sein Gespür für das italienische Repertoire. Die orchestralen Gewitter sind von erschreckender Gewalt, die leisen Stellen von gespenstischer Stille. Der Hexenchor wird zum hypnotischen Klangereignis, und das Schlachtgetümmel im Finale hat die nötige Energie, ohne in Lärm umzuschlagen.
Fazit
Leipzig zeigt einen Macbeth, der unter die Haut geht. Konwitschnys Inszenierung ist radikal, klug und theatralisch wirkungsvoll. Zusammen mit einer erstklassigen Besetzung ergibt das einen der stärksten Verdi-Abende der Saison.
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