Xerxes an der Deutschen Oper am Rhein Düsseldorf — Händels Barockoper in der Rezension
Barocker Glanz am Rhein — Xerxes an der Deutschen Oper am Rhein
Händels Xerxes ist eines jener Barockopern, die durch eine einzige Arie — das berühmte „Ombra mai fu“ — weltbekannt geworden sind, während der Rest des Werks ein Schattendasein fristet. Die Deutsche Oper am Rhein in Düsseldorf beweist mit dieser Neuinszenierung, dass Xerxes weit mehr ist als ein One-Hit-Wonder: ein Werk voller musikalischer Erfindungskraft, komödiantischer Situationen und überraschender emotionaler Tiefe.
Die Inszenierung
Regisseur Stefan Herheim, bekannt für seine opulenten, vielschichtigen Inszenierungen, verlegt die Handlung in ein barockes Theater, das gleichzeitig Bühne und Zuschauersaal ist. Die Figuren spielen sich selbst und wissen, dass sie beobachtet werden — ein Metatheaterspiel, das zu Händels ironischem Umgang mit der Opera-seria-Konvention passt. Die Verwechslungen und Intrigen des Librettos werden als höfisches Spiel inszeniert, bei dem nie ganz klar ist, wo die Maske aufhört und das wahre Gesicht beginnt.
Die Stimmen
Countertenor Franco Fagioli in der Titelrolle ist eine Sensation. Sein virtuoser, farbenreicher Sopran meistert die halsbrecherischen Koloraturen mit einer Leichtigkeit, die staunen macht. Das „Ombra mai fu“ singt er mit einer Schlichtheit und Innigkeit, die den Atem stocken lässt. Neben ihm behauptet sich Lavinia Bini als Romilda mit einem agilen, strahlenden Sopran und einer darstellerischen Intensität, die dieser oft blassen Partie neues Leben einhaucht.
Hagen Matzeit als Arsamene und Anna Bonitatibus als Amastre komplettieren ein Ensemble von bemerkenswert hohem Niveau. Besonders Bonitatibus überzeugt mit ihrem samtigen Mezzo und einer komödiantischen Begabung, die jede ihrer Szenen zum Erlebnis macht.
Dirigat und Orchester
Konrad Junghänel am Pult der Düsseldorfer Symphoniker findet den richtigen Ton zwischen barocker Transparenz und modernem Orchesterklang. Die Da-capo-Arien werden nicht als starre Wiederholungen, sondern als Gelegenheiten zur sängerischen Improvisation behandelt. Die Continuo-Gruppe musiziert mit Fantasie, und das Orchester überzeugt durch rhythmische Präzision und klangliche Wärme.
Fazit
Düsseldorf zeigt, dass Barockoper auf der modernen Opernbühne lebendig und mitreißend sein kann. Ein Abend von großem musikalischen und szenischen Reichtum, der Lust auf mehr Händel macht.
Weiterlesen: Haendels Alcina im Opernfuehrer