Carmen von Georges Bizet — Handlung, berühmte Arien und Werkgeschichte der Opéra comique
Werkdaten
| Komponist | Georges Bizet |
|---|---|
| Librettist | Henri Meilhac und Ludovic Halévy nach Prosper Mérimée |
| Gattung | Opera comique |
| Akte | 4 |
| Sprache | Französisch |
| Uraufführung | 3. März 1875, Opéra-Comique Paris |
| Dauer | ca. 2 Stunden 45 Minuten |
Carmen — Bizets unsterbliches Meisterwerk
Georges Bizets Carmen ist die meistgespielte französische Oper und eines der wirkmächtigsten Werke der gesamten Opernliteratur. Bei ihrer Uraufführung 1875 ein Skandal, wurde sie binnen weniger Jahre zum Welterfolg. Tschaikowsky prophezeite: „In zehn Jahren wird Carmen die populärste Oper der Welt sein.“ Er behielt Recht.
Entstehungsgeschichte
Das Libretto von Henri Meilhac und Ludovic Halévy basiert auf der gleichnamigen Novelle von Prosper Mérimée (1845). Die Opéra-Comique in Paris gab das Werk in Auftrag, was von Anfang an für Spannungen sorgte: Ein Werk mit Mord, Unmoral und einer Antiheldin als Titelfigur war für das traditionell familienfreundliche Haus ein Affront. Die Uraufführung am 3. März 1875 wurde vom Publikum und der Kritik kühl aufgenommen. Bizet starb drei Monate später, am 3. Juni, ohne den späteren Triumphzug seines Werks zu erleben. Erst die Wiener Aufführung unter Hans Richter im selben Jahr leitete den Siegeszug ein.
Handlung
Erster Akt
Auf dem Platz vor einer Zigarrenfabrik in Sevilla begegnet der Soldat Don José der Zigeunerin Carmen, die ihn mit der Habanera provoziert. Nach einer Schlägerei in der Fabrik soll José Carmen ins Gefängnis führen, doch er lässt sich von ihr zur Flucht verhelfen.
Zweiter Akt
In der Taverne des Lillas Pastia feiert Carmen mit den Schmugglern. Der Stierkämpfer Escamillo tritt auf und wirbt um Carmen. José erscheint, nachdem er wegen Carmens Flucht bestraft wurde. Carmen tanzt für ihn, doch als der Zapfenstreich ertönt, will José in die Kaserne zurückkehren. Carmen verspottet ihn, und José, hin- und hergerissen zwischen Pflicht und Leidenschaft, desertiert und schließt sich den Schmugglern an.
Dritter Akt
Im Gebirge bei den Schmugglern sagt Carmen beim Kartenlegen ihren eigenen Tod voraus. Micaëla, Josés Jugendliebe, sucht ihn auf und überbringt die Nachricht, dass seine Mutter im Sterben liegt. José folgt ihr, schwört aber, zu Carmen zurückzukehren.
Vierter Akt
Vor der Stierkampfarena in Sevilla wird Escamillo als Held gefeiert. Carmen, die sich Escamillo zugewandt hat, weist Josés letzte Bitten zurück. Als die Menge den Stierkampf bejubelt, ersticht José Carmen und stellt sich der Justiz.
Musik
Bizets Partitur ist ein Wunderwerk der melodischen Erfindung und der orchestralen Farbigkeit. Die Habanera, die Seguidilla, das Blumenlied, das Torerolied und das Kartenterzett gehören zu den bekanntesten Melodien der Opernliteratur. Doch Carmen ist weit mehr als eine Aneinanderreihung von Hits: Bizets harmonische Kühnheiten, seine Verwendung spanischer Rhythmen und Skalen, seine psychologische Charakterisierungskunst durch das Orchester — all das macht Carmen zu einem Wendepunkt der Operngeschichte. Nietzsche pries das Werk als Gegengift zu Wagners Schwere: „Diese Musik ist heiter, aber nicht von einer französischen oder deutschen Heiterkeit. Ihre Heiterkeit ist afrikanisch.“
Wirkungsgeschichte
Carmen hat die Operngeschichte in vielfacher Hinsicht beeinflusst. Das Werk steht am Beginn des Verismo und hat Komponisten wie Mascagni, Leoncavallo und Puccini den Weg bereitet. Die Titelrolle gilt als eine der anspruchsvollsten Mezzosopran-Partien und wurde von Sängerinnen wie Maria Callas, Grace Bumbry, Teresa Berganza und Elīna Garanča geprägt. In der Inszenierungsgeschichte reicht das Spektrum von der traditionellen Sevilla-Folklore bis zu radikalen Neudeutungen wie Calixto Bieitos skandalumwitterter Produktion.
Auf opernnetz
Lesen Sie unsere Rezension der Carmen am Musiktheater im Revier (Gelsenkirchen, 2010).