Il Barbiere di Siviglia am Aalto-Theater Essen — Rossinis Barbier von Sevilla in der Opernkritik

Spielstaette Aalto-Theater Essen
von Albert Blaustein
Il Barbiere di Siviglia am Aalto-Theater Essen — Rossini

Verschachtelt

Ah, ah! che bella vita … So beginnt als siebte Nummer in Gioacchino Rossinis Il barbiere di Siviglia eines der ausgreifendsten Rezitative der Oper überhaupt. Drei Personen teilen es sich und treiben so das Geschehen voran: Figaro, Graf Almaviva alias Lindoro und — in einer kurzen Sequenz — Rosina. Es dauert an die siebeneinhalb Minuten! Eine drastische Zaesur.

Regiekonzept

Jan Philipp Gloger, dem ausgewiesenen Theaterregisseur, gelingt es in Essen, von Beginn an auf dramatische Theateraffekte, unkonventionelle Rolleninterpretationen und innovative Spiele mit Raum und Requisite zu setzen. Die Schluesselfigur in Glogers Konzept ist der Tausendsassa Figaro. Vielmehr und dann gleich im doppelten Sinne ist er der Dirigent des Geschehens, der im Tohuwabohu der von Eitelkeit, Gier und Machtgeluesten Getriebenen die Faeden zieht.

Kisten und Schachteln sind die durchgängige, stets praesente Folie dieser Regiearbeit. Ben Baur, der Bühnenbildner, hat sie in vielerlei Varianten ersonnen, mit und ohne Schleifen, manche wie die russischen Matrjoschkas ineinander greifend. Im zweiten Akt werden die Grenzen dieser Regieidee allerdings mehr als schmerzlich spürbar. Je mehr eine überdimensionierte Schachtel zur Bühnenprägsenz an sich wird, desto mehr stellen sich die Verluste dieser Denaturierung der Komoedie ein.

Musikalische Leitung

Zum Glück gibt es den Geniestreich des 23-jaehrigen Rossini. Giacomo Sagripanti hat die Essener Philharmoniker glaenzend eingestellt. Unter seiner praezisen wie einfuehlsamen Leitung agieren die Philharmoniker praechtig. Pompoes der Tutti-Sound, filigran die subtilen Passagen. Federleicht-jubelnd die Soloklarinette — eine Passion, die Rossini hörbar direkt von Mozart übernommen hat.

Die Stimmen

Juan Jose de Leon gibt den Grafen Almaviva hoch professionell, gut situiert in allen Lagen, aber mit einem merkwürdigen Mangel an vokalem Schmelz. Georgios Iatrou hat als Figaro alles in der Hand, vornehmlich als Schauspieler. Karin Strobos ist als Rosina nicht der Typus des anschmiegsamen Bürgermädchens — kess, schrill, eine wahre vipera, wie es in ihrer Auftrittsarie trefflich heisst. Tijl Faveyts bereitet als Don Basilio großes Vergnuegen mit voluminoeser, ausdrucksstarker Bass-Stimme.

Fazit

Das Finaletto vereint die Akteure in einem kurzen, aber umso heftigeren Rausch aller Sinne, die eine Rossini-Buffa verstroemen kann. Mehrere Vorhaenge für die künstlerisch Verantwortlichen. Ganz besonders nicht schlecht stehen die Zeichen für das Ensemble, wenn es so praechtig zum Zuge kommen kann.

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Gattung: Oper
Komponist: Gioacchino Rossini