Zaide bei den Salzburger Festspielen — Mozarts Opernfragment in der Rezension

Spielstaette Salzburger Festspiele
von Albert Blaustein
Zaide bei den Salzburger Festspielen — Mozart

Mozarts Fragment als Sehnsuchtsstück — Zaide bei den Salzburger Festspielen

Mozarts unvollendete Oper Zaide ist ein Werk voller Rätsel. Ohne Ouvertüre, ohne Finale, ohne gesicherten Text für die Dialoge — und dennoch voller Musik von bestechender Schönheit. Die Salzburger Festspiele haben sich des Fragments angenommen und in der Regie von Peter Sellars eine Aufführung geschaffen, die das Unvollendete nicht als Mangel, sondern als Stärke begreift.

Die Inszenierung

Sellars verlegt die Handlung um die junge Sklavin Zaide und ihren Befreier Gomatz in die Gegenwart. Der Serail wird zum Internierungslager, die Flucht zum Flüchtlingsdrama. Das klingt nach einer jener modischen Aktualisierungen, die den Werken oft mehr schaden als nützen — doch Sellars geht subtiler vor. Er lässt Mozarts Musik für sich sprechen und setzt die politischen Bezüge durch Bilder und Gesten, nie durch plumpe Symbolik.

Die Stimmen

Siobhan Stagg als Zaide verfügt über einen lyrischen Sopran von feiner Empfindsamkeit, der in der Arie „Ruhe sanft, mein holdes Leben“ berückend schön klingt. Mauro Peter als Gomatz bringt einen Mozart-Tenor von idealer Leichtigkeit und geschmeidiger Linienführung mit. Thomas Hampson als Sultan Soliman gibt seiner Rolle eine Würde und Komplexität, die über das bloße Klischee des tyrannischen Herrschers hinausgeht. Sein Bariton hat die nötige Autorität und zeigt in den leisen Momenten eine überraschende Verletzlichkeit.

Dirigat und Orchester

Teodor Currentzis am Pult der Camerata Salzburg liefert eine Mozart-Interpretation von elektrisierender Spannung. Jede Phrase ist durchgearbeitet, jeder Akzent sitzt, und die Dynamik reicht vom zartesten Pianissimo bis zu einer Fortissimo-Wucht, die in ihrer Vehemenz überrascht. Die Camerata folgt ihm mit hörbarer Begeisterung und spielt auf historischen Instrumenten mit einem Klang, der zugleich rauh und schön ist.

Fazit

Salzburg zeigt, dass auch ein Fragment auf der Bühne bestehen kann — wenn die Deutung stimmt und die Musik so wunderbar zum Klingen gebracht wird wie hier. Sellars und Currentzis machen aus der Zaide ein Stück, das nachhallt.

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Gattung: Oper