Il Flaminio bei den Innsbrucker Festwochen der Alten Musik — Pergolesi in der Opernkritik

Spielstaette Innsbrucker Festwochen
von Albert Blaustein
Il Flaminio bei den Innsbrucker Festwochen — Pergolesi

Barocke Leichtigkeit in Innsbruck — Il Flaminio bei den Festwochen

Die Innsbrucker Festwochen der Alten Musik haben sich längst als einer der bedeutendsten Treffpunkte für die historische Aufführungspraxis etabliert. Mit Giovanni Battista Pergolesis Il Flaminio steht in diesem Jahr ein selten gespieltes Werk auf dem Programm, das den Zuschauer mit seiner melodischen Erfindungskraft und seinem komödiantischen Witz bezaubert.

Die Inszenierung

Regisseurin Alessandra Premoli hat eine beschwingte, farbenfrohe Inszenierung geschaffen, die den Geist der Commedia dell’arte atmet. Die Handlung um den verliebten Flaminio, der zwischen zwei Frauen hin- und hergerissen ist, wird als leichtfüßiges Verwirrspiel inszeniert, bei dem die Verwechslungen und Missverständnisse in einem atemlosen Tempo aufeinanderfolgen. Premoli vertraut auf die Komik der Situationen und lässt ihre Darsteller mit einer Spielfreude agieren, die ansteckend wirkt.

Die Stimmen

Countertenor Valer Sabadus als Flaminio überzeugt mit einem geschmeidigen, silberhellen Sopran und einer darstellerischen Leichtigkeit, die diese Rolle verlangt. Sopranistin Francesca Aspromonte als Giustina berückt durch einen warm timbierten Sopran und eine natürliche Bühnenpräsenz. Das komische Paar Bastiano und Checca wird von Renato Dolcini und Giulia Semenzato mit ansteckender Spielfreude und vokalem Glanz verkörpert. Das Ensemble harmoniert prächtig, und die Rezitative werden mit einer Natürlichkeit musiziert, die den Eindruck erweckt, als sprächen die Figuren tatsächlich miteinander.

Dirigat und Orchester

Alessandro De Marchi am Pult des Innsbrucker Festwochenorchesters liefert eine federnde, transparente Begleitung, die dem Werk Raum zum Atmen gibt. Die Continuo-Gruppe musiziert mit Fantasie und rhythmischem Drive, die Streicher spielen mit barocker Artikulation und warmem Klang. Die Arien werden nie zu Showstücken degradiert, sondern bleiben stets im dramatischen Kontext eingebettet.

Fazit

Ein Sommerabend in Innsbruck, wie man ihn sich schöner kaum wünschen kann. Pergolesis Il Flaminio erweist sich als ein Werk, das zu Unrecht im Schatten der Serva padrona steht und eine Wiederentdeckung verdient. Die Innsbrucker Festwochen haben einmal mehr bewiesen, dass Alte Musik alles andere als verstaubt ist.

Gattung: Oper