Lohengrin am Staatstheater Mainz — Wagners romantische Oper in der Opernkritik
Silberner Schwan am Rhein — Lohengrin am Staatstheater Mainz
Wagners Lohengrin ist das romantischste seiner Werke und zugleich das politischste. Am Staatstheater Mainz gelingt unter der Regie von Vera Nemirova eine Produktion, die beide Dimensionen des Werks auslotet und dabei zu einer eigenständigen, überzeugenden Deutung findet.
Die Inszenierung
Nemirova verortet die Handlung in einer Gesellschaft, die nach Erlösung dürstet und dabei blind einem Führer folgt, der selbst nach Liebe sucht. Lohengrin ist hier kein strahlender Ritter, sondern ein Außenseiter, der durch seine Andersartigkeit fasziniert und verstört. Elsa ist keine passive Dulderin, sondern eine Frau, die den Mut aufbringt, die entscheidende Frage zu stellen — und dafür alles verliert. Das Frageverbot wird zur Metapher für die Unmöglichkeit bedingungsloser Hingabe.
Die Stimmen
Daniel Kirch als Lohengrin verfügt über einen lyrischen Heldentenor mit silbrigem Timbre, der die Gralserzählung im dritten Akt zu einem Moment von überirdischer Schönheit gestaltet. Seine Stimme hat die nötige Strahlkraft für die heroischen Passagen und die Zartheit für die intimen Momente. Christiane Libor als Elsa beeindruckt mit einem jugendlich-dramatischen Sopran, der in den Ensembleszenen mühelos durchdringt und in den lyrischen Passagen berührend fragil klingt.
Claudio Otelli als Telramund und Renée Morloc als Ortrud bilden ein Gegenpaar von beklemmender Intensität. Otelli stattet den gescheiterten Grafen mit einem markanten Bassbariton und einer fiebrigen Bühnenpräsenz aus. Morlocs dunkel timbierter Mezzo verleiht Ortruds Racheplänen eine Dringlichkeit, die unter die Haut geht.
Dirigat und Orchester
Hermann Bäumer leitet das Philharmonische Staatsorchester Mainz mit sicherer Hand durch die komplexe Partitur. Das Vorspiel zum ersten Akt gelingt als ätherisches Klangwunder, das sich aus dem Nichts aufbaut und wieder in der Stille versinkt. Die Choräle im dritten Akt haben die nötige Wucht, und die Orchesterpassagen werden mit klanglicher Transparenz und dramatischem Gespür realisiert.
Fazit
Mainz zeigt einen Lohengrin, der zum Nachdenken anregt und musikalisch auf hohem Niveau steht. Vera Nemirovas Inszenierung beweist, dass auch an einem Stadttheater große Wagner-Abende möglich sind.