Faust am Theater Münster — Gounods Oper in der Opernkritik 2016
Faust ringt mit sich selbst — Gounod am Theater Münster
Charles Gounods Faust — im deutschen Sprachraum auch als Margarethe bekannt — ist eines jener Werke, die im französischen Repertoire zu den Säulen gehören, hierzulande aber nur selten auf den Spielplänen auftauchen. Das Theater Münster hat sich dieser großen französischen Oper angenommen und dabei eine Produktion erarbeitet, die das Werk ernst nimmt, ohne es zu überfrachten.
Die Inszenierung
Regisseur Hendrik Müller verortet die Handlung in einer bürgerlichen Welt des 19. Jahrhunderts, die bereits Risse zeigt. Fausts Studierzimmer ist eine Bibliothek voller verstaubter Bücher, Méphistophélès tritt als eleganter Dandy auf, und Marguerites Garten wird zum einzigen Ort ungebrochener Schönheit in einer zunehmend grauen Welt. Müller inszeniert das Stück als Geschichte eines Mannes, der nicht die ewige Jugend sucht, sondern die verlorene Fähigkeit zu fühlen — und der dabei eine Frau ins Verderben stürzt.
Die Stimmen
Tenor William Davenport gibt den Faust mit lyrischer Finesse und einem Timbre, das in der „Salut, demeure chaste et pure“ die nötige Zärtlichkeit findet. Gregor Dalal als Méphistophélès dominiert die Bühne mit einem schwarzen Bass, der zwischen sardonischem Humor und echter Bedrohlichkeit changiert. Seine Serenade unter Marguerites Fenster ist ein Kabinettstück an vokaler Charakterisierungskunst.
Anna Sohn in der Titelpartie der Marguerite besticht durch einen silbrigen, reinen Sopran, der in der Juwelenarie funkelt und in der Kerkerszene erschüttert. Bassbariton Johannes Schwärsky als Valentin zeigt sich in seiner Sterbeszene als Sängerdarsteller von Format.
Dirigat und Orchester
Generalmusikdirektor Golo Berg leitet das Sinfonieorchester Münster mit französischem Esprit und rhythmischer Eleganz. Die Ballettmusik der Walpurgisnacht wird zum orchestralen Glanzstück, und die Begleitung der Sänger ist stets aufmerksam und flexibel. Besonders die Holzbläser des Orchesters erfreuen durch klangliche Finesse.
Fazit
Münster zeigt einen Faust, der die Stärken des Werks betont, ohne seine Schwächen zu kaschieren. Eine Produktion auf solidem Niveau, die dem Publikum einen lohnenden Abend beschert und zeigt, dass die große französische Oper auch an einem Stadttheater ihren Platz hat.
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