Götterdämmerung an der Oper Frankfurt — Wagners Ring-Finale in der Opernkritik 2012

Spielstaette Oper Frankfurt
von Albert Blaustein
Götterdämmerung an der Oper Frankfurt — Wagner Ring

Weltenbrand in Frankfurt — Götterdämmerung an der Oper Frankfurt

Nach Rheingold, Walküre und Siegfried vollendet die Oper Frankfurt ihren Ring des Nibelungen mit einer Götterdämmerung, die das Gewicht der gesamten Tetralogie auf ihren Schultern trägt — und nicht zusammenbricht. Regisseurin Vera Nemirova bringt den Frankfurter Ring zu einem Abschluss, der musikalisch und szenisch überzeugt.

Die Inszenierung

Nemirova erzählt die Götterdämmerung als Untergang einer Zivilisation, die an ihrer eigenen Gier und ihrem Vertragsbruch zugrunde geht. Die Gibichungenhalle wird zum gläsernen Penthouse einer Finanzelite, Hagen zum kalten Strategen eines feindlichen Übernahmeversuchs. Die Nornenszene zu Beginn ist von beklemmender Schönheit: Die drei Schicksalsfrauen versuchen vergeblich, das Seil der Welt zusammenzuhalten, das längst gerissen ist.

Bühnenbild und Kostüme

Jens Kilian hat ein Bühnenbild entworfen, das die Enge und den Luxus der Gibichungen-Welt ebenso abbildet wie die Weite der Rheinlandschaft im Finale. Große Glaswände lassen sich verschieben und erzeugen so wechselnde Räume. Die Kostüme von Frauke Schernau markieren den sozialen Unterschied zwischen der naturverbundenen Brünnhilde und der kultivierten Gibichungen-Gesellschaft mit subtilen Mitteln.

Die Stimmen

Lance Ryan als Siegfried meistert die mörderische Partie mit heldentenoraler Durchschlagskraft und überraschend differenzierter Gestaltung. Sein Siegfried ist kein tumbes Naturkind, sondern ein Mensch, der an der Komplexität der Welt scheitert. Iréne Theorin als Brünnhilde singt mit einer Strahlkraft und einer emotionalen Intensität, die in der Schlussszene überwältigend wirkt. Ihr Immolationsmonolog ist der krönende Abschluss nicht nur dieses Abends, sondern des gesamten Frankfurter Ring.

Falk Struckmann als Hagen ist die dunkelste Figur des Abends. Sein schwarzer Bass verleiht dem Rächer eine bedrohliche Präsenz, die in der Schwurszene des zweiten Akts ihren Höhepunkt findet. Johannes Martin Kränzle als Gunther und Claudia Mahnke als Waltraute überzeugen in ihren Partien mit stimmlicher Autorität und darstellerischer Präsenz.

Dirigat und Orchester

Sebastian Weigle am Pult des Frankfurter Opern- und Museumsorchesters dirigiert eine Götterdämmerung von großer Intensität und klanglicher Schönheit. Der Trauermarsch gerät unter seinen Händen zum erschütternden Abgesang, und das Finale wird zum klanglich überwältigenden Weltenbrand. Das Orchester zeigt sich auf der Höhe seiner Möglichkeiten.

Fazit

Frankfurt hat seinen Ring vollendet — und darf stolz sein auf das Ergebnis. Diese Götterdämmerung ist ein würdiger Abschluss einer ambitionierten Tetralogie.

Gattung: Oper
Komponist: Richard Wagner