Don Giovanni bei den Salzburger Festspielen 2014 — Mozarts Meisteroper in der Rezension

Spielstaette Salzburger Festspiele
von Albert Blaustein
Don Giovanni bei den Salzburger Festspielen 2014 — Mozart

Verführung und Verdammnis — Don Giovanni bei den Salzburger Festspielen 2014

Mozarts Don Giovanni bei den Salzburger Festspielen — das ist ein Versprechen, das eingelöst werden will. Die Neuproduktion unter der Regie von Sven-Eric Bechtolf und der musikalischen Leitung von Christoph Eschenbach versucht, das dramma giocoso als düsteres Psychogramm eines Getriebenen zu erzählen. Das gelingt nicht immer, aber oft genug, um einen lohnenden Abend zu erleben.

Die Inszenierung

Bechtolf verortet die Handlung in einem herrschaftlichen Palazzo, dessen Prunk zunehmend verfällt. Don Giovanni ist hier kein strahlender Verführer, sondern ein Getriebener, der seine innere Leere durch ständige Eroberungen zu füllen versucht. Die Registerarie des Leporello wird zum grotesken Inventar einer Sucht, und das Festmahl im Finale zum letzten Aufbäumen eines Mannes, der längst verloren ist. Bechtolfs Personenregie ist präzise und einfühlsam, auch wenn das Regiekonzept gelegentlich in allzu konventionellen Bahnen verläuft.

Die Stimmen

Ildebrando D’Arcangelo als Don Giovanni verfügt über einen Bariton von dunkler Eleganz, der sowohl die Verführungsszenen als auch die trotzigen Ausbrüche im Finale meisterhaft gestaltet. Sein Don Giovanni ist kein Sympathieträger, sondern ein faszinierender Abgrund. Luca Pisaroni als Leporello ist der ideale Konterpart: komisch, verschlagen, und doch mit einem menschlichen Kern, der in den leiseren Momenten berührt.

Lenneke Ruiten als Donna Anna singt mit einem dramatischen Sopran, der in den Racheauszierungen blitzt und in der Arie „Non mi dir“ lyrische Wärme entfaltet. Anett Fritsch als Donna Elvira verleiht der verlassenen Geliebten eine Würde und Verzweiflung, die weit über das Karikaturhafte hinausgeht. Andrew Staples als Don Ottavio überzeugt mit einem geschmeidigen, gut fokussierten Tenor.

Dirigat und Orchester

Christoph Eschenbach am Pult der Wiener Philharmoniker findet einen dunkel getönten, dramatischen Zugang zu Mozarts Partitur. Die Ouvertüre hat die nötige Wucht, das Menuett im Finale des ersten Akts die nötige Eleganz. Die Wiener Philharmoniker spielen mit jenem unverwechselbaren Klang, der diese Partitur seit Jahrhunderten zum Leuchten bringt.

Fazit

Ein solider, streckenweise packender Don Giovanni in Salzburg. Die Stärken liegen im musikalischen Bereich, die Inszenierung hätte gelegentlich mehr Mut vertragen. Dennoch: Ein Abend, der Mozarts Meisterwerk auf Festspielniveau präsentiert.

Weiterlesen: Mozarts Zauberfloete im Opernfuehrer

Gattung: Oper