Die Zauberflöte an der Bayerischen Staatsoper München — Mozarts Singspiel in der Opernkritik
Märchenhaft und makellos — Die Zauberflöte in München
Mozarts Die Zauberflöte ist das meistgespielte Werk im Repertoire der Bayerischen Staatsoper, und jede Neuinszenierung muss sich an den Vorgängern messen lassen. Die aktuelle Produktion unter der Regie von Simon McBurney setzt auf eine Mischung aus technischer Raffinesse und archaischer Erzählkunst — und trifft damit ins Herz des Werks.
Die Inszenierung
McBurney verzichtet auf ein konventionelles Bühnenbild und arbeitet stattdessen mit Projektionen, Schattenspiel und einer fast leeren Bühne. Was zunächst karg wirkt, entpuppt sich als Raum unendlicher Verwandlungsmöglichkeiten: Sarastros Reich entsteht durch Lichteffekte, die Prüfungen werden zu visuellen Meditationen, und Papagenos komische Szenen gewinnen durch die Reduktion an Unmittelbarkeit. Der Regisseur vertraut der Musik und dem Text — und das Ergebnis gibt ihm Recht.
Die Stimmen
Pavol Breslik als Tamino singt mit einem Tenor von schmelzender Schönheit. Sein „Dies Bildnis ist bezaubernd schön“ verbindet technische Perfektion mit einer Innigkeit, die ans Herz greift. Hanna-Elisabeth Müller als Pamina berührt mit ihrem lyrischen Sopran, der in der g-Moll-Arie „Ach, ich fühl’s“ zu Tränen rührt. Die Königin der Nacht wird von Brenda Rae mit halsbrecherischer Koloratursicherheit und einem Staccato verkörpert, das wie Diamanten funkelt.
Markus Werba als Papageno ist die Seele des Abends. Sein Bariton hat die nötige Wärme, sein Spiel die nötige Leichtigkeit, und wenn er mit dem Publikum interagiert, vergisst man für Momente, dass man in der Oper sitzt. René Pape als Sarastro verleiht der Rolle eine Autorität und Würde, die aus der Tiefe seiner schwarzen Bassstimme schöpft.
Dirigat und Orchester
Konstantinos Carydis am Pult des Bayerischen Staatsorchesters findet einen Mittelweg zwischen historisch informierter Leichtigkeit und romantischer Klangfülle. Die Ouvertüre gelingt mit federndem Rhythmus und transparenter Stimmführung. Die Begleitung der Sänger ist aufmerksam und flexibel, die Tempi sind gut gewählt. Besonders gelungen: die Streicherpassagen in Paminas Arie, die wie ein zarter Schleier die Stimme umhüllen.
Fazit
München hat eine Zauberflöte, die sowohl den Kenner als auch den Neuling begeistert. McBurneys Inszenierung ist intelligent, unterhaltsam und visuell fesselnd. Zusammen mit einer erstklassigen Besetzung und einem inspirierten Orchester ergibt das einen Abend, der das Zeug zum Klassiker hat.
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